„Du bist echt egoistisch“ oder „Du denkst immer nur an dich“ sind nur zwei Beispiele von vielen, die wir nicht selten in unserer Gesellschaft hören, wenn wir durchblicken lassen, dass wir auf uns gehört und unsere Meinung durchgesetzt haben, weil es uns besser damit geht. Egal, was andere darüber denken. Nicht selten ernten wir Sprüche, die an Beleidigung grenzen. Aber ist es wirklich so falsch, an sich zu denken? In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, dass ein gesunder Egoismus wichtig ist und aufklären, wann ein egoistisches Handeln sogar notwendig sein kann.

Nehmen wir doch zuerst den schlechten Egoismus näher unter die Lupe. Zu einem egoistisches Verhalten, das wir typischerweise als schlechte Charaktereigenschaft sehen, gehört beispielsweise:

  • sich ständig ungefragt in den Mittelpunkt drängen
  • ausschließlich auf seine eigenen Vorteile bestehen
  • der eigene Nutzen ist wichtiger, als der Nutzen für andere

Kurz gesagt: Ellenbogenmentalität, kurzsichtiges Handeln, Ego-fixiert, nichts geschieht uneigennützig

Diese Art von Egoismus hat viele verschiedene Ursachen. Es steckt nicht immer gleich ein schlechter Mensch oder Charakter dahinter. Im Gegenteil, egoistisch verhalten sich häufig diejenigen, die ein Mangelgefühl haben, gestresst oder frustriert sind, sich minderwertig fühlen oder einen Empathiemangel haben. Sie handeln aus einem Reflex heraus, der sie schützen soll. Von außen mag das taff, arrogant und vielleicht sogar stark wirken. Aber innen sieht es bei den meisten Egoisten wie auf einer Großbaustelle aus. Es herrscht keine innere Balance. Dabei ist die gerade wichtig, um seine Ziele zu erreichen.

Du magst dich jetzt vielleicht fragen, ob du dann nicht einfach nur das Gegenteil eines Egoisten, nämlich ein Altruist sein musst, damit du das Leben führen kannst, das du dir wünscht. Denn an sich kämpfen Egoisten ja für ihr Wohl. Aber so einfach ist das nicht. Wie so häufig ist auch hier die goldene Mitte die richtig Lösung: Gesunder Egoismus

 

Was bedeutet gesunder Egoismus?

Gesunder Egoismus ist, wenn du für dich und dein Leben die Verantwortung übernimmst und klare und bedürfnisorientierte Entscheidungen triffst, die wichtig für dich, deine Gesundheit und deine Zielerreichung sind.

Im Gegensatz zu Altruisten, die absolut selbstlos handeln und damit schnell ihre eigenen Bedürfnisse vergessen bis es ihnen selbst schadet, ist einem gesunden Egoisten bewusst, wann es Zeit ist, an sich selbst zu denken. Sowohl zum Selbstschutz, als auch um für andere da zu sein. Es wird dir also nichts bringen, zu versuchen, alles anders als Egoisten zu machen, damit du nicht egoistisch wirkst. Du darfst nur einfach nicht die selben Fehler machen wie sie: ziellos handeln, keine innere Balance haben, die Baustellen durch verletzendes Verhalten bei anderen ignorieren und verdrängen.

Das paradoxe an Egoisten ist, dass sie sich sehr selten wirklich mit sich und ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Wenn sie das machen würden, bräuchten sie nicht so ein Theater zu veranstalten. Sie wüssten gesündere Methoden, um ihre Ziele zu erreichen.

Wer aber einen gesunden Egoismus pflegt, der kann sich sein Leben sowohl nach seinen Vorstellungen gestalten, als auch die Bedürfnisse der anderen beachten. Denn sie finden ihre innere Balance, die ihnen die Kraft für alle notwendigen Schritte gibt. Gesunder Egoismus bedeutet also:

 

Selbstfürsorge und Selbstliebe

Es ist absolut notwendig, an dich zu denken, wenn du ein gesundes Leben führen möchtest. Ein gesunder Egoismus kann sogar als Urinstinkt bezeichnet werden, der sich um nichts anderes sorgt, als dich am Leben zu erhalten. Und das am besten gesund. Du bist die Person, mit der du dein Leben lang zusammen sein wirst. Wie für einen guten Freund musst du also für dich da sein und dich dabei unterstützen, das Leben so sicher und angenehm wie möglich zu gestalten. Egoistisch zu sein ist also nichts anderes als Selbstfürsorge. Niemand anderes kann sich um dich so gut kümmern wie du. Es ist deine Aufgabe, dich selbst zu lieben und für dich da zu sein. Also übernehme die Verantwortung für dein Leben, absolut egoistisch und eigennützig, denn das ist die Basis von allem.

 

Schutz vor Ausnutzung

Auch mal Nein zu sagen gehört zu den wichtigsten Lektionen, die ich lernen durfte. Wer immer nur für andere da ist und soweit geht, dass er sich und seine Pläne dafür vernachlässigt, ist allen anderen hilflos ausgeliefert. Die Gefahr ausgenutzt zu werden, ist enorm. Das ist nicht nur schädlich für dich, da deine Bedürfnisse zunehmens in den Hintergrund bei anderen geraten. Es hält dich auch schlicht weg von deinen Träumen und Zielen ab. Für andere da zu sein, ist was schönes. Aber verliere deine Ziele dabei nicht aus den Augen, denn es ist schließlich auch dein Leben, das es verdient, wundervoll zu sein.

 

Kraft, für andere zu haben

Für andere da zu sein, erfordert Energie. Nicht selten kümmern wir uns erst um andere, anstatt sich mit den eigenen Bedürfnissen zu beschäftigen. Aber diese Reihenfolge ist tückisch, da unsere Kraft bereits aufgebraucht oder sehr niedrig ist, bevor wir sie für unsere Pläne vewenden können. Du musst also lernen, mit deinem Energiehaushalt umzugehen. Und da ist es wichtig zu verstehen, dass du für andere erst da sein kannst, wenn du dich zuvor um dich gekümmert hast. Wenn du deine Energie immer nur abgibst und nie darauf achtest, dass neue Energie nachströmt, wirst du früher oder später andere nicht mehr so unterstützen können, wie du es möchtest und wie es die anderen verdient haben.

 

Zielerreichung und Fokus

Seien wir doch mal ehrlich. Wer immer nur für andere da ist, der hat zwar eine Menge Pluspunkte und mit Sicherheit auch einige tolle Möglichkeiten gesammelt. Aber unterm Strich kamen die eigenen Ziele zu kurz. Sich einfach mal auf sich zu konzentrieren, mag vielleicht egoistisch wirken. Aber es ist essenziell, um den Fokus auf die eigene Zielerreichung und Träume nicht zu verlieren. Selbstverwirklichung ist immer egoistisch. Das sagt das Wort schon. Aber möchtest du deswegen auf dein Glück verzichten? Du hast es verdient, dir deine Träume zu verwirklichen. Nichts anderes möchtest du für andere doch auch oder? Ein gesunder Egoismus bietet dir diese Möglichkeit.

 

Selbstbewusstsein

Nicht zuletzt zeugt ein gesunder Egoismus von innerer Stärke und Klarheit. Du bist dir selbst bewusst, was du möchtest und kämpfst dafür. Du hast die Kraft dazu. Genau das ist es, das wir bei anderen so häufig bewundern. Das große Selbstbewusstsein. Ein Machertyp. Verschließe dich nicht vor dieser Möglichkeit, nur weil du nicht egoistisch wirken möchtest. Ein selbstbewusster Mensch achtet auf sich und dazu gehört es, an sich zu denken.

 

Wie eigne ich mir gesunden Egoismus an?

Eine Frage bleibt es aber noch zu klären: Wie eigne ich mir einen gesunden Egoismus an? Zunächst musst dir bewusst sein, dass du nicht alles von heute auf morgen ändern kannst. Es ist ein Prozess, der dein Leben lang dauern wird. Wichtig ist einzig und allein, dass du die Entscheidung triffst, diesen Weg zu gehen und die Verantwortung für dich zu übernehmen. Alles weitere entwickelt sich mit der Zeit und du wirst Stück für Stück wachsen.

Dieser Blog soll dich dabei begleiten und dir Tipps und Tricks dabei geben, wie du deine Selbstfürsorge umsetzen kannst. Jede Woche wirst du hier einen passenden Blogartikel dazu finden wie z.B. dieser, in dem ich dir 3 Tipps im Umgang mit deinen Bedürfnissen gebe.

Selbstfürsorge hat viele Facetten. Für dich ist es aber am einfachsten, wenn du dir zunächst Klarheit verschaffst, über dich, deine Bedürfnisse, Stärken, Schwächen, Träume und Ängste. Lerne dich besser kennen, bevor du Pläne machst. Du bist dann viel fokussierter, kannst gezielt auf Dinge verzichten oder dich bewusst für anderes entscheiden.

Tipp: Schnapp dir ein Din A4 Papier und einen Stift und zeichne dir ein Gitter, wie auf der Abbildung. In jedes Kästchen kommt eine Überschrift z.B. Stärken. In dieses Kästchen schreibst du nun alle deine Stärken auf. Lass ruhig etwas Platz. Falls dir später noch etwas einfällt, kannst du es jederzeit ergänzen. So gehst du nun mit allen Kästchen vor. Wenn du fertig bist, hast du nun eine wundervolle Übersicht verschiedener Eckdaten, die dir helfen, deinen Fahrplan fürs Leben zu gehen. Häng es dir am besten dort auf, wo du besonders häufig hinschaust. Dann prägt sich auch dein Unterbewusstsein alles ein und unterstützt dich dabei. Probiere es aus!

Ich hoffe, ich konnte dir heute ein bisschen Licht ins Dunkeln bringen und dich einen Schritt weiter in dein Traumleben begleiten,

deine Jana

Noch mehr Tipps:

Zu einer guten Selbstfürsorge gehört es dazu, seine Bedürfnisse zu kennen und zu beachten. Da das nicht immer ganz leicht ist, erfährst du hier 3 Tipps für einen richtigen Umgang mit deinen Bedürfnissen: