Hochsensibilität ist in den Medien mittlerweile in aller Munde. Dabei entstehen nicht selten viele Missverständnisse oder Hochsensibilität wird als Ausrede für verschiedene andere Probleme verwendet. Damit du den Durchblick behältst und genau weißt, worüber wir sprechen, möchte ich dir in diesem Blogartikel erklären, was Hochsensibilität genau ist und was es im Alltag bedeutet, sensibel zu sein – und was eben nicht.

Was ist Hochsensibilität – ein paar Fakten

Die Wissenschaft beschäftigt sich noch nicht lange und leider auch noch immer viel zu wenig mit dem Thema Hochsensibilität. Die meisten bekannten Studien gehen davon aus, dass etwa 15-20% der Bevölkerung hochsensibel sind. Manche Studien gehen sogar von 30% aus.

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der Bevölkerung sind hochsensibel

Aufgrund der dünnen Studienlage wissen wir leider nicht genau welchen Anteil Hochsensible in unserer Gesellschaft haben. Die meisten sind sich aber einig, dass die Anzahl der hochsensiblen Personen steigen wird. Verantwortlich soll dafür unsere schnelllebige und immer komplexere Welt und die damit nötige Fähigkeit sein, sich damit zu arrangieren und flexibel zu reagieren.

Der menschliche Körper hat sich in den Jahren der Evolution an viele Veränderungen gewöhnt. Aber was gerade passiert in Folge von Globalisierung, Digitalisierung und Co geht selbst der Evolution zu schnell und manche Körper kommen einfach nicht hinterher. Die Folge: Überforderung und Überreizung der Nerven.

Womit wir auch schon zur Erklärung kommen, was Hochsensibilität eigentlich bedeutet. Hochsensible haben ein (über-) empfindliches Nervensystem, das stärker und ungefilterter als bei anderen auf Reize reagiert. Hochsensibilität suchst du dir also nicht aus. Entweder du bist hochsensibel oder nicht. Es gibt lediglich Unterschiede darin, wie stark du auf bestimmte Reize reagierst.

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal

Wichtig: Hochsensibilität ist keine Krankheit. Du leidest also nicht unter Hochsensibilität oder bist weniger gesund als andere Menschen. Im Gegenteil! Dein Körper hat einfach ein viel besseres und empfindlicheres Warnsystem als andere. Dass du hochsensibel bist, ist also mehr eine Eigenschaft der Persönlichkeit und des Charakters als eine medizinisch körperliche Definition.

Wie erkennst du Hochsensibilität?

Doch wie macht sich Hochsensibilität nun erkennbar? Abgesehen von der Tatsache, dass jede Hochsensibilität unterschiedliche Eigenschaften hat, können ein paar übereinstimmende Merkmale von Hochsensiblen genannt werden. Dazu zählen:

  • Stärkere Wahrnehmung von Geräuschen, Gerüchen, Licht und Berührungen
  • Starke Empfänglichkeit für Emotionen, Stimmungen und Gefühlen von sich und anderen
  • Starkes Einfühlungsvermögen, Mitleidsfähigkeit und ausgeprägte Empathie
  • Starker Drang, sich öfter mal zurück ziehen zu müssen und allein zu sein, um das Wahrgenommene zu verarbeiten und innere Ruhe zu finden
  • Notwendigkeit von einer verständnisvollen, klaren und stärkenden Kommunikation
  • ausgeprägte Detailwahrnehmung
  • häufig vorsichtiger, introvertierter Charakter

Im Internet gibt es dazu viele hilfreiche Tests, bei denen du sehr schnell herausfinden kannst, ob du zu einer hochsensiblen Person neigst oder nicht. Wichtig ist, die Fragen ehrlich zu beantworten, denn sich selbst zu betrügen, wird dir nicht weiterhelfen, wenn du dich besser kennen lernen möchtest. Unter diesem Blogartikel habe ich dir ein paar gute Tests verlinkt.

Wann bin ich nicht hochsensibel?

Es ist wichtig, genau für dich herauszufinden, ob du hochsensibel bist oder nicht. Nur so bekommst du eine Grundlage, auf der du aufbauen kannst, wenn du aktuell unzufrieden bist und etwas ändern möchtest. Leider meinen immer mehr Menschen, sich hochsensibel zu bezeichnen, obwohl das gar nicht stimmt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es reicht, ängstlich oder schüchtern zu sein, um sich hochsensibel zu präsentieren. Doch das stimmt ganz und gar nicht und verletzt diejenigen unter uns, die tatsächlich hochsensibel sind.

Nur weil du ängstlich bist oder schüchtern, heißt das noch lange nicht, dass du hochsensibel bist.

Hochsensibilität als Ausrede für andere Probleme zu verwenden, hilft also niemanden. Ich möchte dir deswegen verdeutlichen, dass es eine klare Trennlinie gibt, zwischen ängstlichen, introvertierten Personen oder hochsensiblen.

Natürlich stimmt es, dass viele Menschen mit einer Hochsensibilität dazu neigen, eher introvertiert zu sein und in sich gekehrt, da sie verstärkt über alles nachdenken und erst mal beobachten und dann handeln. Aber nicht jeder ist damit gleich schüchtern. Schüchternheit hat stattdessen viel mehr etwas mit innerer Unsicherheit und negativen Glaubenssätzen zu tun. Davon können genauso viele Hochsensible wie „normale“ Menschen betroffen sein.

Du bist auch nicht gleich hochsensibel, wenn du sehr ängstlich bist. Auch hier liegt die Ursache viel häufiger darin, dass dein Selbstvertrauen fehlt oder im schlimmsten Fall sogar richtige Angststörungen vorliegen. Ähnlich ist es mit einer Depression. Klar sind Hochsensible anfälliger für diese Krankheit, aber du musst genau schauen, ob die Hochsensibilität der Auslöser ist für beispielsweise Überforderung im Alltag oder ob du nicht mitten in einer Depression bist und ärztliche Hilfe benötigst. Im Gegensatz zu einer Depression ist Hochsensibilität nämlich keine psychische Störung.

Zusammenfassend können wir also sagen, dass du Hochsensibilität getrennt von allen anderen Persönlichkeitsmerkmalen betrachten musst. Nur so kannst du wissen, wo du an dir arbeiten kannst. Dafür brauchst du absolute Klarheit darüber, ob du hochsensibel bist oder nicht.

Wie es ist, im Alltag hochsensibel zu sein

Um dir ein bisschen besser zu verdeutlichen, wie das Leben als hochsensible Person ist, möchte ich dir gerne ein paar Beispiele von mir mitbringen. Für mich war die Gewissheit, dass ich hochsensibel bin, ein echter Befreiungsschlag! Jahrelang habe ich mich dafür verurteilt, anders zu sein als meine Bekannten und Kollegen. Dadurch ist nicht nur mein Selbstwertgefühl extrem gesunken. Vor lauter Überforderung mit der Situation, habe ich meinen Stress auch an andere ausgelassen und sie damit vergrault. Ich war absolut unzufrieden und definitiv auf dem Weg in eine Depression.

Irgendwann bin ich dann durch Zufall auf die Arbeit von Vanilla Mind und Marie Anna Schwarzberg gestoßen und mir war, als würde ein schwerer, dunkler Vorhang fallen und ich könnte endlich klar die Welt sehen. Nicht nur die Erkenntnis, dass ich nicht allein mit meiner Wahrnehmung für die Welt bin, sondern auch, dass es Wege gibt, besser mit dieser besonderen Eigenschaft umzugehen, haben mein Leben für immer verändert. Deswegen habe ich später auch Kolibri Mind gegründet, um so vielen Frauen wie möglich zu zeigen, dass Hochsensibilität keine Last sein muss.

Meine Hochsensibilität und ich

Klappe einfach die Infos auf und erfahre, wie sich die Hochsensibilität bei mir zeigt:

Gerüche

Schon als Kind habe ich schnell gemerkt, dass ich empfindlicher auf Gerüche reagiere als andere. Noch heute ist es für mich eine Qual durch den Bereich der Parfüme bei Karstadt zu gehen oder ich muss mich in einem Raum voller Raucher aufhalten. Ich muss wirklich die Luft anhalten, um es zu ertragen, ansonsten folgen extreme Kopfschmerzen, die noch Stunden anhalten.

Geschmack

Eine meiner Lieblingseigenschaften ist mein ausgeprägter Geschmackssinn. Ich liebe esse und mit dieser Fähigkeit kann ich gutes Essen noch mal doppelt so stark genießen. Auf der anderen Seite schmeckt mir billiges Essen fast gar nicht und mir vergeht jegliche Freude daran. Überreifes Obst rieche ich meterweit und kann es dann nicht anrühren.

Berührungen

Auch Berührungen nehme ich viel stärker wahr. Ein kratzender Pullover oder zu enge Socken bringen mich völlig aus dem Konzept und ich muss sie mir förmlich vom Leib reißen, um wieder atmen zu können. Gleichzeitig kann ich aber körperliche Berührungen viel intensiver genießen als andere. Massagen, Kuscheln oder Umarmungen sind wie Balsam für meine Seele.

Starkes Warnsystem

Man könnte sagen, dass ich ein starkes Warnsystem besitze, wenn Gefahr für mich und meinen Körper droht. Mache ich Sport, gehe ich niemals über meine Grenzen. Mag ich bestimmten Alkohol nicht, trinke ich ihn auf keinen Fall, auch wenn alle anderen mich dazu drängen. Habe ich Hunger, muss ich etwas essen, es gibt keinen anderen Gedanken mehr. Meine Hochsensibilität verbietet es mir praktisch, schlecht mit meinem Körper umzugehen. Das mag für mich gesund sein, löst bei vielen anderen aber Unverständnis aus und im schlimmsten Fall, werde ich für mein Verhalten beleidigt und schlecht gemacht. Aber ich habe gelernt, drüber zu stehen, weil ich weiß, wie wichtig mir meine Gesundheit ist.

Geräusche

Geräusche nehme ich auch viel intensiver wahr. Ich höre alle Kleinigkeiten und sei es nur die Mücke, die am anderen Ende des Raums ihr Unwesen treibt. Eine laute Stadt oder eine Umgebung mit vielen lauten Geräuschen wie bei McDonalds werden mir schnell zu viel. Im Gegensatz zu vielen anderen Hochsensiblen habe ich aber kein Problem mit lauter Musik wie in Clubs oder Konzerten. Im Gegenteil, ich kann mich da richtig fallen lassen.

Doch nicht nur auf körperlicher Ebene macht sich die Hochsensibilität bemerkbar.

Schulzeit

Vielleicht kennt ihr das auch noch aus der Schule, wenn die mündlichen Noten verkündet wurden…oh man. Ich werde nie vergessen, wie sie mir meinen gesamten Notenschnitt vermasselt haben. Gut es stimmt, ich habe mich selten gemeldet. Aber ist das fair? Und ist es fair, deswegen als schüchtern bezeichnet zu werden? Ich beobachte nur einfach lieber gerne, höre aufmerksam zu und lasse andere machen, damit ich die Situation besser einschätzen kann. Aber ich hatte nie Angst mich zu melden. Bis heute finde ich es eine Frechheit, ein Kind dafür zu bestrafen, dass es eine andere Persönlichkeit hat als der Lehrplan vorsieht.

Introvertiert und detailverliebt

Ich bin definitiv introvertiert, grüble mehr als andere bis ich Entscheidungen treffe (mit mir einkaufen zu gehen, hat viele schon zur Weißglut gebracht…). Denke strategischer, langfristiger und analysiere für mein Leben gerne. Dazu bin ich sehr detailverliebt und liebe Ästhetisches, weswegen ich lange Zeit in den Kunstbereich gehen wollte, wenn da nicht noch mein Perfektionismus wäre. Dadurch, dass ich so aufmerksam bin, sehe ich natürlich auch alle Fehler und Makel. Nicht immer ganz einfach, hat mir im Beruf aber schon viele Vorteile verschafft.

Schnellere Wahrnehmung

Wie viele andere Hochsensible nehme ich Veränderungen in der Umgebung oder bei anderen sofort wahr. Und sei es nur ein neues Kleidungsstück bei einer Freundin oder eine neue Pflanze im Vorgarten bei Nachbarn, die ich nicht einmal kenne.

Starke Emotionen

Emotionen kann ich nur schwer zurückhalten, da ich mich sehr stark in andere hineinversetze oder schnell gerührt bin. Weinen andere im Raum oder im Film, laufen bei mir nicht selten auch die Tränen. Brutale Horrorfilme sind für mich kein Vergnügen, da ich ständig mitleide und zusätzlich auch noch reizempfindlich bin, was die Effekte angeht.

Auch in der Ernährung macht sich das bemerkbar. So ernähre ich mich überwiegend vegetarisch, weil ich die Gedanken an ein leidendes Tier nicht ertrage. Ich spüre den Schmerz der Seele der Tiere genauso wie ich spüre, wenn die Natur leidet. Dokumentationen über die Zerstörung der Natur ertrage ich nicht. Wird ein Baum gefällt, kommen mir die Tränen. Hat jemand kein Verständnis für Naturschutz, könnte ich ausrasten.

Kritikfähigkeit

Mit Kritik kann ich umgehen, wenn sie gerechtfertigt ist und in den richtigen Worten verpackt wurde. Wenn das nicht der Fall ist, trifft sie mich mitten ins Herz und ich denke noch Jahre später darüber nach.

Empathie und Mitgefühl

Empathie, Mitgefühl und Verständnis für andere zeichnen mich aus. Deswegen streite ich auch kaum, weil ich immer im inneren Konflikt stehe, meine Meinung durchsetzen und gleichzeitig auf den anderen einzugehen und ihn nicht zu verletzen.

Ich bin zudem sehr aufmerksam und merke schnell, wenn bei meinem Gegenüber irgendetwas nicht stimmt. Ich bin ein guter Zuhörer und verschaffe der Person Klarheit. Danach brauche ich aber auch eine Pause, weil mich soetwas körperlich immer fordert.

Meine Tipps

Für ein entspanntes Leben als hochsensible Person ist es von großer Bedeutung, dass du die Hochsensibilität als Teil von dir annimmst und es zu etwas Positiven machst. Vermeide beispielsweise so Aussagen wie „ich leide unter Hochsensibilität“. Damit machst du deinem Unterbewusstsein klar, dass das etwas schlimmes ist und nimmst dir die Chance, daraus eine Stärke zu gewinnen. Denn es ist ein großes Geschenk und du solltest stolz auf diese wundervolle Fähigkeit sein.

Natürlich ist es nicht immer leicht, mit so vielen Eindrücken und Reizen zu leben. Die folgenden Tipps können dir dabei aber helfen dein Leben leicht zu gestalten:

  • Vermeide soviele Momente der Überreizung deiner Nerven wie möglich
  • Kenne deine eigenen Grenzen und entferne dich aus der Situation
  • Lerne Nein zu sagen
  • Achte auf Warnsignale wie Kopfschmerzen, dem Bedürfnis, die Augen zu schließen oder innere Unruhe und höre auch darauf
  • Kommuniziere deine Bedürfnisse klar, damit andere Rücksicht nehmen. Das tun sie nämlich gerne, sie müssen es nur einfach wissen
  • Nimm dir bewusst Zeit für dich und lerne dich besser kennen und lieben

Du siehst, ein Bewusstsein für dich zu bekommen, ist der Schlüssel für den Start in ein leichtes Leben. In den nächsten Blogartikeln zeige ich dir, welche Vorteile es gibt, hochsensibel zu sein. Ich hoffe, du hast nun aber erst einmal ein bisschen mehr Klarheit darüber, was Hochsensibilität ist und ich habe dein Interesse geweckt, noch mehr über dieses spannende Thema zu entdecken.

Bis bald,

deine  Jana

PS: Hier sind die Links zu tollen Tests, die ich selbst verwendet habe, um herauszufinden, ob ich hochsensibel bin:

https://www.proudtobesensibelchen.de/test-hochsensibilitaet/

https://www.psychomeda.de/online-tests/test-fuer-hochsensibilitaet.html

http://www.zartbesaitet.net/survey/site.php?a=su_onepage&su_id=1

http://www.hochsensibel-test.de/

Deine Autorin: Jana

Viele Jahre habe ich meine sensible Seite als Schwäche gesehen, bis ich erkannt habe, welches Geschenk wir sensiblen Frauen doch erhalten haben. Denn wir leisen Frauen können ganz stark sein. Deswegen möchte ich dich auf deinen Weg in ein selbstbestimmtes und leichtes Leben begleiten und dir zeigen, wie ich es geschafft habe und du es auch schaffen kannst. Erfahre mehr…