Hochsensibilität im Berufsleben – die Kombination kann für viele eine Herausforderung sein. Damit das aber nicht so bleibt, sprechen wir heute über Möglichkeiten, wie du dich mit deiner Hochsensibilität im Berufsleben wohlfühlen wirst und was du bei der Jobwahl oder konkret auf der Arbeit berücksichtigen kannst.

Außerdem möchte ich mit dem Gerücht aufklären, dass Hochsensibilität eine Schwäche im Berufsleben darstellt und dich noch mal an die Stärken deiner einzigartigen Fähigkeit erinnern.

Warum ist das Berufsleben mit Hochsensibilität manchmal so schwer?

Den Großteil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Klar also, dass Hochsensible insbesondere in ihrem Job häufiger an ihre Grenzen kommen können.

Doch was genau belastet uns? Ich möchte dir ein paar Beispiele nennen:

  • Schnelle Reizüberflutung durch viele und unkontrollierebare Geräusche, Gerüche und visuelle Reize von Außen
  • es können schneller Stresssituationen entstehen z.B. durch:
    • oben genannte Reizüberflutung
    • zu viele Aufgaben
    • nicht sinnvolle Aufgaben
    • keine Zeit für Pausen
    • künstlicher Druck von Kollegen und Arbeitgeber
  • emotionale Belastung (Mitleid/Mitgefühl, Gerechtigkeitssinn wird nicht erfüllt, spürbar falsche Maßnahmen, falsche Kollegen etc.)
  • Schwieriger Umgang mit Kollegen und Kunden (aufgrund eigener Schüchternheit, Vorurteile oder Unverständnis der anderen etc.)
  • Gerücht der Leistungsschwäche und niedrigen Belastungsgrenze von Hochsensiblen oder Introvertierten (nicht dein Fehler…liegt meistens an unsachliche Kritik oder zu wenig Einfühlungsvermögen der anderen 😉 )
  • Gefühl, sich in etwas reinzwängen zu müssen, um mitzuhalten
  • Unmotiviert, da sich Tätigkeit nicht sinnvoll anfühlt
  • Fehlende Selbstverwirklichung

Die Gründe können sehr vielfältig und individuell sein. Was sie aber alle gemeinsam haben, ist, dass du entweder noch nicht den richtigen Umgang mit deiner Hochsensibilität gefunden und/oder der Job oder die Rahmenbedingungen nicht zu dir passen.

Du hast also nun zwei Möglichkeiten:

  1. Du suchst dir einen Job, der zu dir und deiner Hochsensibilität passt
  2. Du überlegst, wie du dir deine jetzige Arbeit hochsensibel freundlich gestalten kannst

Merke: Du oder deine Hochsensibilität sind nie der Fehler

Entscheidend für die Frage, wie du Hochsensibilität im Berufsleben vereinbaren kannst, ist, was du brauchst, damit du dich wohlfühlst.

Es hilft im ersten Schritt, zu schauen, was dich aktuell stört. Dabei wird schon einiges klar. Aber im zweiten Schritt solltest du dir deine persönlichen Bedürfnisse überlegen und welche Bedingungen dir deine Hochsensibilität stellt.

Es ist ein typischer Fehler insbesondere von vielen hochsensiblen Frauen, den Fehler zuerst bei sich oder der Hochsensibilität zu suchen. Doch hast du schon mal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass nicht du der Fehler im System bist, sondern dass das System einfach nicht zu dir passt?

Dieser Spruch macht es dir vielleicht deutlicher:

„Wenn eine Blume nicht blüht, schaust du zuerst, was an ihrer Umgebung nicht passt und beschuldigst nicht die Blume.“

Erlaube dir, deine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Was brauche ich? Was tut mir gut? Wenn du einen Sonnenplatz zum Blühen brauchst, dann bestehe auf einen Sonnenplatz. Immer wenn sich die schlechten Seiten der Hochsensibilität melden, dann bedeutet das, dass du nicht auf dich, deine Bedürfnisse und Grenzen geachtet hast und nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Du hast genauso ein Recht, auf deine Forderungen zu bestehen wie jeder andere auch. Trau dich, für dich einzustehen. Du darfst und musst dein Leben so gestalten, wie es für dich richtig ist.

Vielleicht hilft dir mein Artikel zum Gesunden Egoismus weiter.

Völlig unterschätzt: die Stärken von Hochsensiblen im Berufsleben

Leider kommt es so häufig vor, dass der Fokus auf die negativen Seiten der Hochsensibilität gelegt wird. Viele machen sich klein, weil sie denken, dass sie nicht so viel Leistung zeigen könnten oder weniger belastbar seien. Oder sie denken, wenn ich im jetzigen Job nicht klar komme, werde ich es nie.

Doch die Wahrheit ist: der einzige, der dich davon abhält, im Beruf erfolgreicher oder glücklicher zu werden, bist du ganz allein. Wenn du dir immer wieder einredest, wie schlecht du bist, dein Selbstvertrauen fehlt und dich scheust, nach mehr zu fragen, dann kann deine Hochsensibilität absolut gar nichts dafür. Du strahlst es aus, dass du nicht an dich glaubst. Wie soll es dann ein potentieller Arbeitgeber?

Dabei sind hochsensible Personen für den Arbeitsmarkt sehr interessant! Die folgenden Stärken sind absolute Killer Argumente in jedem Vorstellungsgespräch:

  • sehr gewissenhaftes und sorgfältiges Arbeiten
  • Detailverliebt und damit im Besitz von sehr guten Analysefähigkeiten
  • hervorragender Blick für Qualität und Stimmigkeit (Qualitätsmanagement eignet sich hervorragend für dich)
  • Fähigkeit des vernetzten Denkens und Überblick über Gesamtheit (ideal als Projektmanager)
  • sehr kreativ und Blick für das gewisse Etwas
  • Sehr lösungsorientiert und bestrebt, das Beste rauszuholen
  • Starke Empathie und sehr gutes Gespür für Mitarbeiter und Kunden (wichtig für Teamarbeit und im Umgang mit Kunden (fühlen sich verstanden))
  • ausgeprägte soziale Kompetenzen (ideal für pflegende Berufe, Arbeit mit Kindern, etc.)
  • Hohe Lernbereitschaft und gute Reflexionsfähigkeit

Im Prinzip bist du der ideale Arbeitnehmer. Du musst dich nur einfach auch so verkaufen können und vor allem selbst daran glauben.

Mach dir bewusst: Du bist mit deinen Fähigkeiten einzigartig und vor allem einzigartig gut. Zeig der Welt da draußen, was du kannst und verstecke dich nicht 🙂 .

Wie finde ich den richtigen Job?

Alles Wissen über die eigenen Stärken bringt aber nichts, wenn der aktuelle Job einfach nicht zu dir passt. Da dir deine Hochsensibilität gewisse Vorgaben macht, solltest du sie in deinem Entscheidungsprozess nicht nur berücksichtigen, sondern zentral in den Mittelpunkt rücken.

Dabei wird es dir helfen, wenn du bei den folgenden Fragen immer darüber nachdenkst, mit welcher Variante du dich wirklich am wohlsten fühlst. Nicht was Eltern, Partner oder Gesellschaft meinen, sondern was dir dein Herz sagt.

Spürst du, dass sich dein Körper versteift, dann warnt er dich, dass er da ein ungutes Gefühl bei hat. Spürst du jedoch ein wohliges Gefühl, wird es für dich die richtige Entscheidung sein. Zumindest für den Moment. Denn nur, weil du z.B. jetzt einen gewissen Beruf aufgrund deiner Schüchternheit nicht ausüben könntest, heißt das nicht, dass du es nie tun wirst. An Schüchterheit kann man arbeiten. Wenn es jetzt gerade aber einfach noch nicht passt, bringt es nichts, dich in etwas reinzuzwängen.

Diese Fragen können dir helfen:

  • Angestellt sein oder selbstständig arbeiten?
  • Welches Zeitmodell passt zu mir? Vollzeit oder Teilzeit? Was ist finanziell möglich?
  • Möchte ich im Homeoffice, im Büro, in einer Fabrik oder im Außenbereich arbeiten?
  • Kundenkontakt Ja/Nein?
  • Abwechslungsreiche Tätigkeit oder eine Arbeit voller Routine ohne Überraschungen?
  • Teamarbeit oder alleine?
  • Großer oder kleiner Arbeitgeber?
  • viel oder wenig Verantwortung tragen?
  • Anregende oder ruhige Arbeitsumgebung? Muss sie sauber sein oder darf es auch schmutzig werden? Welche Lautstärke darf herrschen?
  • Wie weit darf der Anfahrtsweg sein, damit es stressfrei bleibt?
  • Ist ein Umzug möglich oder vielleicht sogar nötig?

Erstelle dir eine Liste mit all deinen Kriterien und schreibe dir ganz unabhängig von deiner bisherigen Qualifikation Berufe auf, die dazu passen. Qualifikationen kannst du später nachholen. Wichtig ist erst einmal zu wissen, was du von deinem Job erwartest und was du brauchst, um dich langfristig wohlfühlen zu können.

Was hilft mir auf der Arbeit, besser mit meiner Hochsensibilität umzugehen?

Nun ist es ja aber so, dass die meisten von euch bereits in einem Job stecken und aufgrund der aktuellen Situation auch nicht die Möglichkeiten haben, schnell einen neuen Job zu finden. Daher ist es umso wichtiger, schon heute Lösungen zu erarbeiten, um dich im Hier und Jetzt wohler zu fühlen.

Dabei ist es natürlich zunächst wichtig, herauszufinden, was dich stört:

  • Wann spürst du Reizüberflutung?
  • Was stresst dich? Welche Stressquellen gibt es?
  • Wann fühlst du dich unwohl?
  • Was würdest du am liebsten geändert haben wollen?

Danach solltest du dir deine Liste anschauen und überlegen, ob es konkrete Lösungen für diese Probleme gibt. Kannst du sie alleine lösen? Kann dir eine Kollege dabei helfen? Könnte der Arbeitgeber etwas für dich tun?

Ideen für Hochsensibilität im Berufsleben

Ich möchte dir dazu noch ein paar konkrete Tipps zeigen, die vielen Hochsensiblen helfen:

  • Frage nach, ob Gleitzeit für dich möglich ist, um z.B. früher oder später anzufangen (um deinem Biorythmus zu folgen und z.B. Berufsverkehr zu vermeiden)
  • Minimiere Reize z.B. durch das Nutzen von Kopfhörern, Zwischendurch Augen schließen, in der Pause frische Luft schnappen, kurz Raum verlassen z.B. Weg zum Kopierer, kurz auf Toilette
  • Nutze konkrete Notfallhilfen wie Atemübungen, Duftöle
  • Lege regelmäßige Pausen ein, stell dir vielleicht sogar den Wecker, um dich daran zu erinnern z.B. 20 Minuten Arbeiten, 5 min kurz durchatmen
  • Trinke und Esse genug, beweg dich zwischendurch
  • Wähle einen Fensterplatz, um rausschauen und kurz sich gedanklich entfernen zu können
  • Wenn möglich, so wenig andere Personen wie möglich im Raum, außer dir tut die Unterhaltung gut oder du brauchst eine anregende, kreative Stimmung zum Arbeiten
  • Visualisiere dir deine Ergebnisse und Erfolge, um deine Motivation hochzuhalten z.B. mit einem Klebezettel pro glücklichen Kunden an die Wand oder Bildschirm kleben
  • Nutze Materialien, die dir Spaß machen und die dich anregen wie einen tollen Notizblock, einen besonderen Stift, einen tollen Untersetzer für deine Kaffeetasse
  • Gestalte dir deinen Arbeitsplatz gemütlich und so, dass du dich wohlfühlst z.B. mit einem Lieblingsfoto, einem schönen Bildschirmschoner, einer Lieblingstasse, einer Pflanze,…

Starte schon Zuhause

Natürlich kannst du auch schon Zuhause damit starten, etwas für einen ausbalancierten Arbeitsalltag zu tun:

  • Auf ausreichend Schlaf achten
  • Dir genug Zeit und Ruhe für dich, deine Erholung, deine Ernährung und Sozialleben nehmen
  • Dampf ablassen entweder durch leichte/leise Wege wie Meditation oder Schreiben oder durch eine Aktivität wie Sport, Yoga, Schwimmen, Spazieren etc.
  • Arbeit und Privatleben trennen, um wirklich abschalten zu können
  • Keine hektische Morgenroutine, fahre gelassen zur Arbeit

Kurz zusammengefasst in 5 Tipps:

Die folgenden 5 Tipps fassen die Erkenntnisse des Textes noch mal zusammen und sind deine Hilfe wie du deine Hochsensibilität im Berufsleben integrieren kannst:

  1. Zieh dich nicht zurück, sondern finde den richtigen Umgang mit deiner Hochsensibilität
  2. Wähle eine Arbeitsumgebung, die zu dir und deiner Hochsensibilität passt
  3. Suche dir eine erfüllende und motivierende Arbeit, die all deine Bedürfnisse abdeckt
  4. Kommuniziere deine Hochsensibilität offen und äußere deine Bedürfnisse und Wünsche
  5. Lege dir einen Erste Hilfe Koffer mit Sofortmaßnahmen zu, die dir im Notfall helfen

Ich hoffe, du hast mit dem heutigen Blogartikel genug Anregung und Ideen bekommen, wie du deine Hochsensibilität im Berufsleben einbauen kannst und findest nun Wege für dich, mit denen du dich wohler fühlst. Arbeit sollte Spaß machen und ist kostbare Lebenszeit. Kämpfe also dafür, dass sie Zeit wird, in der du glücklich bist.

Deine Jana

PS: Auf Instagram habe ich dazu am 18.11.20 ein Live Video von mir gespeichert, das du dir gerne anschauen kannst, wenn du noch mehr Tipps für Hochsensibilität im Berufsleben suchst. Mehr dazu hier

Deine Autorin: Jana

Viele Jahre habe ich meine sensible Seite als Schwäche gesehen, bis ich erkannt habe, welches Geschenk wir sensiblen Frauen doch erhalten haben. Denn wir leisen Frauen können ganz stark sein. Deswegen möchte ich dich auf deinen Weg in ein selbstbestimmtes und leichtes Leben begleiten und dir zeigen, wie ich es geschafft habe und du es auch schaffen kannst. Erfahre mehr…